Begierde

­­Es ist schwer, dieses Spiel zu ertragen. Ich schwebe durch die Tage, zu weit oben, das Klaffen des Abgrundes unter meinen Füßen. Ein endloses High gibt mir Energie, lässt mich unter Musik zerrinnen, Nächte durchschreiben, meine ureigenen Grenzen überschreiten, meine überzogene Selbstwahrnehmung modulieren, mein Ego auflösen, fangen, das Streicheln vermeintlich göttlicher Hände genießen, mich stürzen und steigen.
Tag für Tag wandelt dieses unbeschreibliche Mädchen durch das Raster meiner lechzenden Nerven, düngt meine Gier, gibt mir Saft und Sucht.
Feines dunkles Haar paralysiert meine Blicke, immer und immer wieder aufblitzendes Lächeln schlohweißer Zähne gibt mir Strom und Schock, kleinste Berührungen ihrer feinen hellen Hände, ihr Dialekt und ihre Albernheit, Streifgänge, Atemzüge zerreiben mich in Trance. Aus schwarzbraunen Untiefen zweier sanft gerahmter Lebenslichter heraus setzt sie mein Kontrollzentrum außer Gefecht. Formt sie mein Herz zu einem Werkzeug, schaltet sie mein Hirn ihrer Seele parallel. Zerlegt sie mich in Impulse und macht mir Besessenheit schmackhaft.

Sie ist überall. Um mich herum, in meiner Haut, meinen Sinnen, Nerven, Adern, tiefen Schichten meines Bewußtseins, den pumpenden Kammern meines Herzens. Entreißt mir Selbstbestimmung, tränkt mich in Unterwerfung, debiles Grinsen, schreiendes Verlangen.
Ich muß sie haben, dieses Wesen, diese reifende Frucht, diesen weichen, warmen, glatten, unverletzten Körper genießen dürfen, will ich nicht zerbrechen an dieser überladenen, surreal hellsamtenen Wirklichkeit, diesem hochexplosiven Gipfelsturm sonniger, freier, flügelschlagreifer Zeitläufe.
Ihr Leben muß mein Leben sein, mich herausfordern, mich verstummen lassen, mich purer Energie übergeben, purem Licht, purer Ekstase. Ich will mehr von diesem Körper, will ihren Nektar löschen, fest in ihre Haare greifen, sie schreien hörn und wispern. Sie still und unscheinbar in den Tälern meiner Laken versunken sehen, sie am Joint ziehen sehen, kichern, tanzen, toben, leiden. Leiden an der Kraft dieses Lebens, der Schwerelosigkeit, unbegrenzten Fantasie, Loslösung vom irdischen Übel der Gier, der Kraft splitternder Liebe, der Kraft des Untergangs im Rausch der Besessenheit, leiden am Zerfall in absoluter Wirklichkeit.

Tomas Jungbluth


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